Lernkultur
messen und entwickeln
Sünne Eichler und Dr. Angelika Schrand stellen ihren gemeinsamen, neu entwickelten Ansatz in diesem Beitrag vor.

Lernkultur:
Mehr als Plattformen und Tools
In Zeiten beschleunigter Transformationen ist die Fähigkeit von Organisationen, kontinuierlich zu lernen und Wissen zu verankern, zu einem entscheidenden Wettbewerbsfaktor geworden. Dabei ist Lernen längst nicht mehr nur eine Funktion von HR oder Personalentwicklung: Die Lernkultur prägt direkt die Unternehmenskultur – und vice versa.
In einer Zeit, in der viele Organisationen zunehmend auf moderne Lernplattformen und innovative Lernformate setzen, wird eine entscheidende Erkenntnis oft übersehen: Lernen und Arbeiten gehören untrennbar zusammen. Wer neue Lernformate erfolgreich einführen möchte, muss systemisch denken und sowohl die Lern- als auch die Arbeitskultur im Blick behalten.

Kulturwandel braucht Messbarkeit – und Emotionen
Die größte Herausforderung besteht darin, den kulturellen Fortschritt sichtbar zu machen. Wie können wir bei einer Standortbestimmung beide Dimensionen erfassen, ohne den Aufwand zu verdoppeln?
Die Antwort liegt in einem integrierten Ansatz zur Lernkultur-Diagnostik, der die emotionale Dimension von Veränderung ernst nimmt und gleichzeitig wissenschaftlich fundiert vorgeht.
Lernkultur als Spiegel
Ihrer Organisation
Unter Lernkultur versteht man gemeinsame Werte, Normen und Praktiken, die bestimmen, wie Wissen erworben, geteilt und angewendet wird. In Organisationen, die Lernen als integralen Bestandteil des Alltags begreifen, zeigt sich dies in offener Kommunikation, Mut zum Experiment und Fehlerakzeptanz.
Eine innovationsfeindliche oder rein hierarchische Lernkultur dagegen wirkt hemmend und reduziert die Veränderungsgeschwindigkeit. Die Unternehmenskultur wiederum ist der übergeordnete „Rahmen“, in dem die Lernkultur verankert ist.
Eine Organisation, die Kundenzentrierung, Agilität und Empowerment als Kernwerte lebt, braucht Lernkulturen, die diese Werte erlebbar machen. Lernen wird so zu einem Katalysator der gesamten kulturellen Ausrichtung.
Die Herausforderung:
Lernkultur messbar machen
Die größte Herausforderung in der Personalentwicklung besteht darin, kulturellen Fortschritt sichtbar und steuerbar zu machen. Hier bieten sich qualitative wie quantitative Methoden an:
Quantitative Ansätze zur Messung von Lernkultur
- Lern-Analytics: Nutzungsdaten aus Learning-Management-Systemen oder Learning-Experience-Plattformen gehen über Abschlussquoten hinaus und erfassen Interaktionsmuster.
- Netzwerkanalysen: Sie zeigen, wie stark Wissen in Communities zirkuliert und ob Silos aufbrechen.
- Business-KPIs: Innovationsrate, Time-to-Competence oder Mitarbeiterbindung können als Indikatoren für den kulturellen Wandel interpretiert werden.
Qualitative Methoden zur Lernkultur-Diagnostik
- Kulturelle Befragungen und Puls-Checks: Wiederkehrende Stimmungsbilder zu Lernmotivation, Fehlerfreundlichkeit und Kollaboration.
- Fokusgruppen-Interviews: Tiefeneinblicke in die gelebten Lernpraktiken und Barrieren.
Doch isolierte Messungen reichen nicht aus. Die Herausforderung liegt darin, ein integriertes Instrument zu nutzen, das sowohl die Arbeitskultur als auch die Lernkultur erfasst – ohne dass der Aufwand sich verdoppelt.
Janssens Model® als ganzheitliche Grundlage der Lernkultur-Diagnostik
Wir haben uns die Frage gestellt, wie man bewährte Modelle aus dem Changemanagement mit der Frage nach der Lernkultur verknüpfen kann. In diesem Kontext haben wir das Janssens Model® betrachtet und es als Instrument zur Messung der Arbeitskultur in den Fokus genommen.
Es bildet das Fundament unseres neuen Ansatzes – und das aus gutem Grund. Anders als reine Faktenabrufe integriert es die emotionale Dimension organisationaler Veränderung und schafft es daher, Transformationsprozesse ganzheitlich zu steuern: von der Emotion über die Klarheit hin zur konkreten Handlung.
Diese Herangehensweise ist besonders relevant, weil die Entwicklung einer Lernkultur und die Einführung neuer Lernformate nichts anderes als ein ganzheitlicher Veränderungsprozess sind.
„Die emotionale Dimension von Veränderung ernst zu nehmen, ist der Schlüssel zu nachhaltiger Lernkulturentwicklung.“
Wissenschaftliche Fundierung:
OLC-Questionnaire und
Janssen’s Model®
Um die Lernspezifik zu schärfen, haben wir das Janssens Model® mit dem OLC Questionnaire (Organizational Learning Culture) von Teresa Rebelo und A. Duarte Gomes zusammengebracht. The OLC Questionnaire
Dieser wissenschaftlich fundierte Fragebogen wurde speziell entwickelt, um die kulturelle Ausrichtung einer Organisation auf Lernen zu erfassen. Diese wissenschaftliche Fundierung verleiht unserem integrierten Ansatz die nötige Tiefe und Validität, um belastbare Erkenntnisse für die Lernkulturentwicklung zu gewinnen.
Modern Learning im Fokus: Praxisrelevanz durch Expertenwissen
Um den Fragebogen für die Realitäten moderner Lernformate zu schärfen, haben wir zusätzlich (und aus unserer Sicht zwingend) die Aspekte des New Learning, Smart Learning und Agile Learning integriert. Diese basieren auf den wegweisenden Arbeiten von:
- Anja Schmitz und Jan Foelsing (New Work braucht New Learning)
- Sirka Freigang (Smart Learning)
- Nele Graf, Denise Gramß und Frank Edelkraut (Agile Learning)
Diese Erweiterung stellt sicher, dass unser Instrument nicht nur theoretisch fundiert ist, sondern auch die praktischen Herausforderungen und Chancen aktueller Lerntrends erfasst.
Drei Handlungsfelder
für Ihren Lernkultur-Wandel
Um Lernkultur gezielt weiterzuentwickeln, sind drei Handlungsfelder entscheidend:
Rahmenbedingungen schaffen
- Führungskräfte müssen Lernen vorleben und bewusst Freiräume dafür schaffen.
- E-Learning-Ökosysteme, die personalisierte Lernpfade, Microlearning und Social Learning kombinieren, können Lernen in den Arbeitsfluss integrieren.
Partizipation ermöglichen
- Mitarbeitende sollten nicht nur Konsumenten, sondern auch Produzenten von Inhalten sein.
- Communities of Practice oder interne Wissensplattformen fördern den Peer-to-Peer-Austausch.
- Anerkennung für Lernbeiträge stützt die Motivation.
Verknüpfung mit der Unternehmensstrategie
- Lerninitiativen entfalten nur dann Wirkung, wenn sie auf langfristige Ziele einzahlen, etwa Innovationsfähigkeit oder Kundenzufriedenheit.
Der praktische Nutzen:
Von der Diagnose zur gezielten Intervention

Ihr Weg zu einer
evidenzbasierten Lernkultur
Die Verbindung von Janssens Model® mit dem OLC-Questionnaire und modernen Learning-Aspekten schafft ein Instrument, das den komplexen Anforderungen moderner Organisationen gerecht wird.
Es berücksichtigt, dass erfolgreiche Lernkulturentwicklung mehr ist als die reine Einführung neuer Tools – sie erfordert ein tiefes Verständnis für die Wechselwirkungen zwischen Arbeits- und Lernkultur.
Für Organisationen, die moderne Lernformate nachhaltig etablieren möchten, bietet dieser integrierte Ansatz eine wissenschaftlich fundierte und gleichzeitig praxistaugliche Grundlage.
„Nur wer die kulturellen Voraussetzungen ganzheitlich versteht, kann Lerninnovationen erfolgreich zum Leben erwecken.“
Denn am Ende gilt: Die Messung der Lernkultur ist kein Selbstzweck, sondern der erste Schritt zu gezielten Interventionen, die Ihre Organisation fit für die Herausforderungen der Zukunft machen.
Die Autorinnen
Sünne Eichler
Sünne Eichler beschäftigt sich seit 2000 mit der Einführung von digitalen Lernkonzepten in Organisationen. 2010 gründete sie die Sünne Eichler Beratung für Bildungsmanagement und begleitet Organisationen bei methodisch-didaktischen, organisatorischen und technologischen Fragen. Außerdem ist sie für den Kongress der LEARNTEC verantwortlich.
2019 gründete sie das Steinbeis-Institute for Digital Learning & Leadership, in dem zertifizierte Lehrgänge angeboten werden. Ihr Ziel ist es, Lernen und Arbeiten ganzheitlich zu verknüpfen und nachhaltige Learning Ecosysteme in Organisationen zu etablieren.
(Foto: LEARNTEC 2024 Messe Karlsruhe Jürgen Rösner)


Dr. Angelika Schrand
Dr. Angelika Schrand ist Geschäftsführerin der CONTUR. Mit ihrer weitreichenden HR- und Changemanagement Expertise aus Tätigkeiten in verschiedenen Branchen und Unternehmensgrößen nimmt das Thema Veränderungen und Nachhaltigkeitsmanagement einen besonderen Stellenwert bei ihr ein.
Als Beraterin in Veränderungsprozessen nutzt sie vielfach Janssens Model® und ist von dessen Wirkung so überzeugt, dass sie Certified Global Program Leader ist und für die CONTUR die exklusive Partnerschaft für Deutschland und China erwarb.
Dr. Angelika Schrand ist gemeinsam mit Anna Wilson Autorin des Buches: „The Four Rooms of Change – The Changing Formula„.
Fragen zur Lernkultur in Unternehmen?
FAQ’s
Klassische Mitarbeiterbefragungen erfassen oft nur die kognitive Ebene und konzentrieren sich auf Zufriedenheit mit Lernangeboten. Unser integrierter Ansatz hingegen berücksichtigt die emotionale Dimension von Veränderung und erfasst gleichzeitig sowohl die Arbeitskultur als auch die Lernkultur. So entstehen ganzheitliche Erkenntnisse, die konkrete Handlungsempfehlungen ermöglichen.
Learning Analytics liefern wertvolle Nutzungsdaten, zeigen aber nicht die kulturellen Rahmenbedingungen auf. Die Lernkultur-Diagnostik kombiniert quantitative Daten mit qualitativen Erkenntnissen über Werte, Normen und Praktiken. Sie erklärt das „Warum“ hinter den Zahlen und macht kulturelle Barrieren und Enabler sichtbar.
Der Ansatz eignet sich für alle Organisationen, die moderne Lernformate nachhaltig etablieren möchten – besonders in Transformationsphasen. Er ist skalierbar und kann sowohl in mittelständischen Unternehmen als auch in Konzernen eingesetzt werden. Voraussetzung ist die Bereitschaft, Lernen und Arbeiten ganzheitlich zu betrachten.
Die drei häufigsten Hindernisse sind:
- Fehlende Vorbildfunktion der Führungskräfte
- Keine Verknüpfung von Lernzielen mit der Unternehmensstrategie
- Mangelnde Fehlerkultur und psychologische Sicherheit
Genau diese Dimensionen erfasst die Lernkultur-Diagnostik, um gezielte Interventionen zu ermöglichen.
Klassische Mitarbeiterbefragungen erfassen oft nur die kognitive Ebene und konzentrieren sich auf Zufriedenheit mit Lernangeboten. Unser integrierter Ansatz hingegen berücksichtigt die emotionale Dimension von Veränderung und erfasst gleichzeitig sowohl die Arbeitskultur als auch die Lernkultur. So entstehen ganzheitliche Erkenntnisse, die konkrete Handlungsempfehlungen ermöglichen.
Learning Analytics liefern wertvolle Nutzungsdaten, zeigen aber nicht die kulturellen Rahmenbedingungen auf. Die Lernkultur-Diagnostik kombiniert quantitative Daten mit qualitativen Erkenntnissen über Werte, Normen und Praktiken. Sie erklärt das „Warum“ hinter den Zahlen und macht kulturelle Barrieren und Enabler sichtbar.
Der Ansatz eignet sich für alle Organisationen, die moderne Lernformate nachhaltig etablieren möchten – besonders in Transformationsphasen. Er ist skalierbar und kann sowohl in mittelständischen Unternehmen als auch in Konzernen eingesetzt werden. Voraussetzung ist die Bereitschaft, Lernen und Arbeiten ganzheitlich zu betrachten.
Die drei häufigsten Hindernisse sind:
- Fehlende Vorbildfunktion der Führungskräfte
- Keine Verknüpfung von Lernzielen mit der Unternehmensstrategie
- Mangelnde Fehlerkultur und psychologische Sicherheit
Genau diese Dimensionen erfasst die Lernkultur-Diagnostik, um gezielte Interventionen zu ermöglichen.
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