Blogeintrag von Sandra Schumacher | 09.01.2023

BANI statt VUCA?

Zusammenarbeit in Projekten unter Unsicherheit
Veränderte und komplexere Rahmenbedingungen für die Arbeit und Kollaboration in Projekten
CONTUR people 2

Entscheidungen in Projektteams

Gerade in der Projektarbeit ist übergreifende Zusammenarbeit zwischen Ländern, Firmen, Abteilungen und verschiedenen Zielgruppen enorm wichtig. Viele Entscheidungen im Projektgeschehen hängen von Vertrauen und Glaubwürdigkeit der handelnden Personen ab.

Dieser Umstand ist unter „normalen“ Bedingungen schon sehr fordernd für Projektmanager:innen und Teams. Unter den aktuellen Gegebenheiten wie:

  • anhaltende Pandemie Situation
  • weltwirtschaftlich und politisch angespannte Lage
  • Rohstoffknappheit und Inflation

ist es für die Projektteams fast unmöglich, alle Risiken für Ihr Projekt richtig einzuschätzen.

VUCA

Diese sich verändernden Rahmenbedingungen wurden bislang durch das Akronym VUCA beschrieben:

  • volatile = volatil,
  • uncertain= unsicher
  • complex= komplex und
  • ambiguous= mehrdeutig

Der Begriff stammt aus den 1980er Jahren der Zeit des kalten Krieges und betont die Schwierigkeit, bei stetigen, ruckartigen und unterschiedlichen Veränderungen in Technologie und Kultur, gute Entscheidungen zu treffen.

Die Frage ist, ob diese Rahmenbedingungen für unsere heutigen Entscheidungen und unser Handeln noch ausreichend sind, oder sie „upgedated“ werden müssen.

Zukunftsforscher Jamais Cascio: BANI

Zu diesem Thema gibt es seit 2020 einen anderen theoretischen Ansatz von dem US-amerikanischen Zukunftsforscher & Autor Jamais Cascio. Er veröffentlicht im April 2020 den Begriff BANI im Artikel «Facing the Age of Chaos» auf der frei zugänglichen Blog-Plattform „Medium“ zum ersten Mal. Zu dem Thema gibt es auch ein  interessantes Youtube Video.

Cascios Hauptaussage zu VUCA ist, dass wir mit dieser Art der Komplexität schon lange umzugehen wissen und auch hier eine gewisse Souveränität im Umgang mit der Unsicherheit haben:

„… we eat VUCA for breakfast!“

Er hat ein neues Rahmenmodell entworfen, um die aktuellen Anforderungen der heutigen Zeit an die Gesellschaft darzustellen: BANI

BANI

BANI ist ebenfalls ein Akronym und steht für:

  • briddle = brüchig
  • anxious = besorgt
  • non-linear= nicht-linear und
  • incomprehensible = unverständlich

 

Betrachten wir die weltweit beherrschenden Themen der letzten 2-3 Jahre, so können wir durchaus bestätigen, dass wir völlig neue Herausforderungen zu meistern haben, die wir so noch nicht kannten.

Gerade in der aktuellen Situation finden wir diese BANI-Ansätze in dem Verhalten unserer Mitmenschen, von Organisationen und Unternehmen.

BANI versus VUCA - komplexes Umfeld

Komplexes Umfeld

Auch in den Projekten unserer Kunden müssen sich die Teams mit den komplexeren, „chaotischen“ Rahmenbedingungen auseinandersetzen.

Realitäten in der Projektteam-Praxis

Projektteams müssen sich mit unverhältnismäßigen Preissteigerungen, langen Wartezeiten oder nicht Verfügbarkeit von Rohstoffen, sowie Ressourcenknappheit und vermehrten Ausfallzeiten von Mitarbeitenden auseinandersetzen. Bestehende (Handels-) Beziehungen, die Verfügbarkeit von Mensch und Maschine und die Zuverlässigkeit der Lieferketten geraten ins Wanken (briddle).

Die Risiken für die Projekte können zwar grob benannt, aber die Folgen aus dem Mix der einzelnen Ursachen und deren Eintrittswahrscheinlichkeit sind kaum zu berechnen (non-linear, incomprehensible).

In einer solchen Situation sind iterative kleine Schritte der Annäherung notwendig und ein sehr gutes Stakeholdermanagement, um alle Parteien über alle wesentlichen Veränderungen und Konsequenzen transparent zu informieren. Ziel ist es, gemeinsam Entscheidungen zu diskutieren und dann auch zu treffen- auch wenn dies aktuell für alle Beteiligten nicht immer einfach ist (anxious).

Wie gehe ich jetzt mit BANI Rahmenbedingungen am besten um?

Was sind meine Handlungsoptionen?

In einem chaotischen BANI-System ist das gesamte System bedroht und instabil. Das System beinhaltet meist nicht zu überblickende wechselseitige Abhängigkeiten und Mehrdeutigkeiten.

Das heißt für die Projektmanager:innen, dass sie in den meisten Fällen nicht ausreichend Zeit haben, Dinge zu analysieren und zu verstehen. Relevante projektspezifische Entscheidungen müssen auch unter Unsicherheit getroffen und durchgesetzt werden. Im Anschluss werden die sich ergebenden Auswirkungen der Änderungen beobachtet und gegeben falls darauf mit weiteren Anpassungen agil reagiert.

Um es mit Cascio zu sagen…

Um es mit Cascio zu sagen...

Um es mit Cascio zu sagen…

In einer solchen Lage, ist es wichtiger, sich auf die Menschen und zwischenmenschlichen Beziehungen mit einem großen Maß an Empathie zu fokussieren.

„Humans are the first thing to look at.“

Antwort BANI

Antwort auf BANI

Belastbarkeit und Resilienz: Resilienz in den Teams aufbauen und in der Projektkultur verankern

Empathie und Achtsamkeit: Mitarbeitende bei Veränderungen mitnehmen, transparente Kommunikation, Emotionen zulassen

Kontext und Flexibilität: Veränderungskompetenz bei Mitarbeitenden aufbauen, agile Methoden und selbstorganisierte, diverse Teams

Transparenz und Intuition: Wissen teilen, weg von hierarchischen Strukturen hin zu Werten wie Vertrauen und Wertschätzung

FAZIT

Akronyme wie BANI oder VUCA helfen uns in Begriffen zu umschreiben, wie wir Veränderungen in der Welt und in unserem Umfeld wahrnehmen. Es geht weniger um die Frage, ob nun VUCA durch BANI ersetzt wird oder was nun das Akronym der Zukunft ist, sondern um das Beschreiben des zunehmend beschleunigten Wandels und die vermehrte Variabilität von Rahmenbedingungen. D.h. reale Beobachtungen in Worte zu fassen, die wir alle in den vergangenen Jahre erfahren haben. Und um zu reflektieren, wie Projekt- und Teamleiter:innen bzw Führungskräfte darauf reagieren können.

 

Ansprech­personen und Autorin

Sandra Schumacher, Autorin dieses Beitrags, hat mit über 20 Jahren Berufserfahrungen im klassischen, hybriden und agilen Projektmanagement als Projekt- und Portfoliomanagerin im nationalen und internationalen Kontext diverse Herausforderungen gemeistert. Oftmals war weniger die reine Theorie als Verhandlungsgeschick und vor allem Empathie gefragt.

Ilona Eckner berät Sie als Kundenmanagerin zu Inhouse Angeboten und Learning Journeys – maßgeschneidert für Ihr Unternehmen..

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Sandra Schumacher

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