Blogeintrag von Angelika Schrand | 26.10.2022

Mit mehr Mut zu starker Führung

Mutig führen und Mut fördern
Florence Marie Guesnet hat sich in ihrem Buch „Mutig weiter! Dein Weg zu guter Arbeit und starker Führung.“ intensiv mit der Frage auseinandergesetzt: wie kann man persönlich mutiger werden und wie kann man auch andere unterstützten mutiger zu werden und mehr zu bewirken?

Ein Gespräch mit Dr. Angelika Schrand, Geschäftsführerin CONTUR.
Florence Marie Guesnet

Warum das Thema Mut? Was hat dich inspiriert dieses Buch zu schreiben?

Ich treffe auf sehr viele Menschen, die „der Mut verlassen hat“ – die den schmalen Weg gehen, der ihnen von Sachzwängen, eifersüchtigen Kollegen oder opportunistischen Vorgesetzten noch offengelassen wird. Diese Menschen sind mental erschöpft und frustriert. In vielen Organisationen ist das der herrschende Modus – keiner sagt mehr irgendetwas „Wahres“ und Authentisches, da es als Kritik, als Schütteln an einem labilen Gleichgewicht empfunden wird. Resultat sind Organisationen, die auf dem kleinsten gemeinsamen Nenner, mit mittelmäßigen Ergebnissen und kraftlosen Mitarbeiter:innen unterwegs sind.

Diesen Mut zur Auseinandersetzung, zum Ringen um den richtigen Weg, zum Verlassen des Vertrauten – den möchte ich mobilisieren. Denn ich sehe auch, was alles möglich wird, wenn Menschen mutig handeln. Ob es um die Gestaltung des persönlichen Lebenswegs geht, oder um mutige unternehmerische Entscheidungen, oder auch um politisches Engagement: Mut formt unser Leben, und unsere Gesellschaft, und diesen Mut möchte ich vielen Menschen zugänglich machen. In Coachings, in Workshops und Trainings – und hoffentlich auch mit diesem Buch.

Was bedeutet Mut für dich persönlich?

Was bedeutet Mut für dich persönlich?

Was bedeutet Mut für dich persönlich?

Ein Autogramm von Sophia Loren, Stürze beim Skifahren, machtvolle Positionen in Unternehmen – all das, und noch viel mehr, habe ich meinem Mut zu verdanken. Grenzen wahrnehmen und angehen – manchmal mit viel, manchmal mit kurzem Anlauf, das ist Mut für mich.

Und so geht es auch den Menschen, die ich zu dem Thema interviewt haben. Auch für sie hat ihr Mut ganz wichtige Weichen im Leben gestellt und neue Möglichkeiten eröffnet.

Mut ist eine Persönlichkeitseigenschaft – ist das Selbstverständnis von vielen. Du sagst, Mut kann man lernen. Was meinst du damit?

Auch ein Extrembergsteiger wie Reinhold Messner kennt Angst, und so schildert er das: Als er eine Polarexpedition plante, bereitete ihm die Wasserversorgung plötzlich schlaflose Nächte. Er war wie besessen von der Vorstellung, sein Gaskocher könnte nicht funktionieren. Hat er die Expedition aufgegeben? Nein, er hat den Kocher mit seinen 100 Teilen komplett auseinandergenommen und wieder zusammengesetzt. So oft, bis er sich sicher war, den Kocher unter allen Umständen ans Brennen zu bekommen.

Mut ist die Kapazität, Angst zu überwinden, auch wenn dabei unangenehme, schmerzhafte oder schwer kalkulierbare Folgen auftreten können. Damit ist der Ausgangspunkt von Mut immer individuell und es handelt sich um die persönliche Entscheidung, die eigene Angst zu überwinden.

Diese Kapazität kann man ausbilden und stärken, indem man die Schritte durch die im Buch beschriebene Mutzone geht – bewusst und aktiv.

Und wie kommt man durch die Mutzone?

  • Der erste Schritt ist das Wahrnehmen der Angst, des Zögerns, des Widerstandes. Worauf reagiere ich mit Angst? Wovor schrecke ich zurück? Wofür bräuchte ich Mut?
  • Und jetzt nicht aufgeben, und die Angst regieren lassen, sondern den zweiten Schritt gehen: „Was ist mir wichtig, was wünsche ich mir, was ist möglich?“. „Courage comes from commitment“ – kann ich einen Sog spüren oder herstellen, der die Angst überwindet, gibt es da einen „Herzenswunsch“, der mir Kraft und Mut bietet?
  • Der dritte Schritt schützt mich dann vor grobem Unfug und Leichtsinn – und auch vor vorschnellem Aufgeben: beim Realitäts-Check bemühe ich mich um ein möglichst objektives, faktenreiches Erfassen der Situation und erarbeite mir so ein klares Bild der Optionen.
  • Im vierten Schritt wäge ich ab: das ursprüngliche Zögern, den Herzenswunsch und die Realitäten – und wähle die für mich richtige Option.
  • Und wenn der fünfte Schritt der risikoreiche ist – dann ist da pures Adrenalin, das Herz schlägt schneller, ich tue etwas Neues, Ungewohntes, Risikoreiches und bin bereit für das Ergebnis.

Weshalb ist Mut für Führungskräfte so wichtig?

Die wichtigsten Entscheidungen sind risikobehaftet. Wenn eine Führungskraft keine mutigen Entscheidungen treffen will, spielt sie immer in – vermeintlicher – Sicherheit.

Das ist für die geschäftliche Entwicklung fatal. Da gibt es dann kaum Produktinnovationen, Konflikte zwischen Abteilungen werden nicht gelöst, die toxische Abteilungsleiterin bleibt, weil der Trennungsprozess zu schwierig erscheint.

Wer ohne Mut handelt, verwaltet, und führt nicht. Da fehlen einerseits die guten Entscheidungen – und eine solche Führungskraft wird auch nicht das ganze Potential der Organisation mobilisieren.

In den besten Teams gibt es hohes gegenseitiges Vertrauen. Ein solch hohes Vertrauen entsteht maßgeblich, wenn man sich aufeinander verlassen kann.

Das entscheidet sich in Risikomomenten: „Wird hier jemand unter den Bus geworfen? Wer übernimmt Verantwortung für einen Fehler? Bekommt jemand eine Chance, sich zu beweisen?“

Wie mutig agiert die Führungskraft – das wird genau beobachtet, und Vertrauen entsteht oder geht.

Herausforderungen annehmen

Was macht aus deiner Sicht Menschen Mut? Und was entmutigt sie?

Mit Götz Werner gesagt: „es ist der Sog!“. Menschen, die für etwas brennen, die ein wichtiges Ziel verfolgen, für die ist mutiges Handeln besonders zugänglich.

Die Menschen im Iran, die aktuell für politische Freiheit auf die Straße gehen, zeigen großen Mut. In der Ukraine handeln Menschen mit größtem persönlichen Risiko, um ihr Land zu retten. Die Menschheitsgeschichte ist geprägt von Auseinandersetzungen, in denen Menschen für Werte, Überzeugungen, Freiheitswillen mutig gehandelt haben.

Entmutigend sind Willkür, disproportionale Risiken und Vereinzelung: wenn die Folgen meines Handelns unabsehbar sind, die mögliche Strafe zu groß ist, wird es schwierig mit dem Mut. Da der Mensch ein soziales Wesen ist, verlieren wir unseren Mut in Vereinzelung und Vereinsamung.

Im Team lässt es sich besser mutig sein. Da kann man gemeinsam abwägen, Informationen austauschen, sich stärken, Energie entwickeln.

Wie können Führungskräfte ein mutiges Umfeld schaffen?

All das gilt meines Erachtens auch in Unternehmen: habe ich einen „systemischen Kompass“, der Sog erzeugt und Fairness, Verbindlichkeit und Zuverlässigkeit herstellt? Da gibt es einen „Purpose“, der allen und allem einen Sinn gibt. Dank einer klaren Strategie und verbindlichen Erfolgsparametern gibt es ein Zielbild, für dass jede:r Risiken eingehen möchte. Verbunden mit einer starken Governance wird Verantwortung zugeschrieben und Willkür vorgebeugt. Also das ist der systemische Kompass.

Individuell kann die Führungskraft vielfältig ermutigen. Da gibt es einen Vertrauensvorschuss, und die Mitarbeiterin bekommt eine Gelegenheit, für die es „vielleicht“ noch etwas zu früh ist. In Meetings fragt man aktiv: „was ist das Mutigste, was wir jetzt tun könnten?“. Auch bei schwerwiegenden Fehlern gehe ich zügig mit allen Beteiligten in den Lernmodus. Im Buch gibt es noch sehr viel mehr Hinweise…

Welche Hilfestellungen gibt es, um mutiger zu sein?

„Courage comes from commitment“ – klären Sie für sich selber, was Ihnen wichtig ist. Was sind Lebensziele, die Sie verfolgen? Welche Werte leiten Ihr Handeln? Welchen Prinzipien wollen Sie treu sein? Ihre Antworten können Sie aufschreiben, in einer Collage gestalten oder Sie nutzen den „Lebens-Canvas“ aus dem Buch (dort gibt es auch ein paar mehr Fragen). Wann immer Sie eine schwierige und Mut erfordernde Entscheidung brauchen, können Sie dieses persönliche Manifest nutzen.

Eine weitere Hilfe kommt von anderen Menschen. Wer ermutigt Sie, wer glaubt an Sie, wer stärkt Sie? Verbringen Sie Zeit mit diesen Menschen, suchen Sie das Gespräch – das hilft! Und genauso hilft es, möglichst wenig Zeit mit den Nörgelnden, Mißgünstigen und Ängstlichen zu verbringen. Die fressen Ihre Mut-Energie, machen Sie kleiner, als Sie sind und übertragen vielleicht ihre eigenen Zweifel auf Sie.

Nutzen Sie hier meine dritte Hilfestellung: „nein sagen“ ist eine Mut-Kompetenz. Grenzen setzen, nicht jede Anforderung von außen annehmen und umsetzen, sich auch persönliche Wünsche und Sehnsüchte erfüllen – all das stärkt den Mutmuskel.

Wo erhalte ich tiefergehende Informationen?

Am 01. Dezember 2022 werde ich im Rahmen der kostenfreien Online Events Reihe, dem CONTUR Virtual Learning Space intensiver auf das Thema „Mutig führen und Mut fördern“ eingehen und stehe dort natürlich für Fragen und Erfahrungsaustausch bereit! Gerne lerne ich Sie persönlich kennen – wir freuen uns auf viele Interessierte!

Mehr Infos zum Virtual Learning Space: Leadership Talk.

Wer es zeitlich nicht zu diesem Termin schafft und mehr Beispiele und Impulse erhalten möchte, findet diese in meinem Buch: Mutig weiter! Dein Weg zu guter Arbeit und starker Führung.

Vielen Dank für dieses Gespräch, Florence! 🙂

Autorin Florence Marie Guesnet

Autorin Florence Marie Guesnet

Autorin Florence Marie Guesnet

Florence Marie Guesnet, Strategieberaterin und Executive Coach. Autorin des Buches: „Mutig weiter! Dein Weg zu guter Arbeit und starker Führung“. Deutsch-Französin. Internationale Laufbahn in Weltfirmen: Procter & Gamble in Deutschland, Großbritannien und der Schweiz; Melitta in Minden; Estée Lauder Companies in Paris; Heineken International in Amsterdam. In ihrer Arbeit als Coach und Beraterin für Führungskräfte und Teams macht sie Mut für ambitionierte Ziele und wirkungsvolle Strategien.

Interview
partnerin

Dr. Angelika Schrand ist Geschäftsführerin der CONTUR. Mit ihrer weitreichenden HR – und Changemanagement Expertise aus Tätigkeiten in verschiedenen Branchen und Unternehmensgrößen nimmt das Thema Veränderungen und Nachhaltigkeitsmanagement einen besonderen Stellenwert bei ihr ein. Also Themen, die immer wieder viel Mut erfordern!

Dr. Angelika Schrand

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Geschäftsführerin

+49 511 96 96 8 0

a.schrand@contur-online.de

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